Medical Humanities

Patienten erzählen über ihre Anliegen, und Ärzte legen Krankengeschichten an: Mediziner müssen Erzählungen schreiben und interpretieren können. Das ist eine von vielen Kernkompetenzen, die sie von Geisteswissenschaftlern lernen können.
Der Begriff «Medical Humanities» wurde Ende der 1950er Jahre in den USA eingeführt, als an einzelnen Universitäten die medizinische Grundausbildung durch geistes- und sozialwissenschaftliche Kurse erweitert wurde. Bis heute bilden die Medical Humanities jedoch ein wenig institutionalisiertes Feld, das sich vor allem über die Lehre und noch kaum über die Forschung definiert.
 
Unklar ist zudem, welches Fächerspektrum zum Tragen kommt. Medizinanthropologie und Psychologie gehören sicher dazu, wie aber steht es mit Ethik, den Rechtswissenschaften oder der Kunsttherapie?
Vor diesem Hintergrund lancierten die Akademien der Wissenschaften das Projekt «Medical Humanities». In einem ersten Schritt sollen die interessierten Wissenschaftler aus Medizin und Geisteswissenschaften in Tagungen und Workshops zusammengeführt werden. Weiterhin wird der Forschungsstand zu den «Medical Humanities» mit Blick auf die medizinische Praxis analysiert und valorisiert. Gestützt auf diese Vorarbeiten soll ein langfristiger Dialog zwischen Kultur- und Sozialwissenschaftlern sowie Medizinern angeregt werden.

Am dritten Workshop legten die Akademien der Wissenschaften eine Arbeitsdefinition fest, an der sie sich zukünftig orientieren:
 

Akademien der Wissenschaften Schweiz (2014) «Medical Humanities»: Über die Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften für die Medizinal- und Gesundheitsberufe. Swiss Academies Communications 9 (5). pdf
 
Workshop Medical Humanities 31.03.2016

Workshop «Medical Humanities V. Vom ‹guten Arzt› zu den ‹Health Professionals›»

Datum: 31. März 2016
Ort: Kornhausforum, Bern


Das Berufsbild und die Anforderungen an den Arzt haben sich gewandelt – vom «guten Hausarzt» zum Cyberdoktor, vom «berufenen» Arzt zum Topspezialisten. Die «Health Professionals» von heute nehmen viele spezialisierte Funktionen wahr. Zentral bleibt in diesem Wandel die Bedeutung der Empathie sowie die kommunikativen Fähigkeiten von Personen in den Gesundheitsberufen, die in einem direkten Kontakt mit den Patienten stehen. Das prägt weiterhin die Vorstellung vom «guten Arzt» .

Seit 2012 organisieren die Akademien jährlich einen Workshop, der sich an ForscherInnen im Bereich Medical Humanities, ÄrztInnen und weitere Gesundheitsfachpersonen richtet. Der diesjährige Workshop reflektiert Vorstellungen und Bilder «vom guten Arzt» auf deren Angemessenheit, Tragfähigkeit sowie deren Orientierungswert hin in einem Feld, wo längst unterschiedlich spezialisierte «Health Professionals» den «Arzt» abgelöst haben.

Dabei stellen sich die nachfolgenden Leitfragen:

  • Wie hat sich das Bild des Arztes im Laufe der Zeit gewandelt?
  • Welches sind heute die Bilder eines guten Arztes oder einer guten Ärztin?
  • Inwiefern sind Vorstellungen vom guten Arzt für die künftige Ausgestaltung der Gesundheitsberufe von Relevanz?
  • Inwiefern sollen diese Vorstellungen und Bilder bei der Ausbildung neuer Generationen berücksichtigt werden?
  • Was wird von den Medical Humanities im Umgang mit Vorstellungen und Bildern vom guten Arzt in einem ausdifferenzierten und vielfach transformierten Berufsfeld erwartet?
Mitwirkende
Hermann Amstad, Martina King, Hubert Steinke, Klaus-Dieter Hänsgen, Sabine Baier, Urs Bieri, Markus Zürcher, Karin Ritschard, Kristina Tänzler

Programm

Präsentationen
 
2_Hubert_Steinke (ppt, 6.8 MB)
3_Haensgen (pptx, 881.7 KB)
1_Martina_King (pptx, 58.0 KB)
5_Urs_Bieri (pptx, 750.7 KB)
 
Workshop Medical Humanities 24.03.2015

Workshop «Medical Humanities IV. Auf der Suche nach dem Ganzen in der Medizin – der Beitrag der Philosophie»

Datum: 24. März 2015
Ort: Kursaal, Ber
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Die Akademien der Wissenschaften Schweiz organisieren seit 2012 jährlich einen Workshop im Bereich «Medical Humanities» für Lehrende, Forschende und Praktizierende aus den Fachhochschulen und Universitäten sowie Personen in Gesundheitsberufen.

Im Zentrum des diesjährigen Anlasses am Dienstag, 24. März 2015 in Bern, steht der Beitrag der Philosophie zum Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Medizin werden zur Diskussion gestellt und auf dem Podium durch ReferentInnen und Spezialisten aus der Praxis debattiert.

Der Workshop ist vom SIWF/von der FMH anerkannt (3 Credits).

Mitwirkende
Nikola Biller-Andorno, Bertrand Kiefer, Christiane Schildknecht, Andreas Cremonini, Ludwig T. Heuss, Monica Escher, Annina Hess-CabalzarPaul Hoff

Programm

Tagungsrückblick

Präsentationen

Schildknecht_Christiane (pdf, 518.4 KB)
Cremonini_Andreas (pdf, 6.5 MB)
Kiefer_Bertrand (pdf, 1.9 MB)

Publikation zum Workshop IV 

Der Bericht von Sibylle Obrecht Lösch liefert nicht nur eine hervorragende Zusammenfassung des Workshops Medical Humanities IV, er enthält ebenfalls einen wertvollen Ausblick, welcher die interdisziplinären Erfahrungen im Hinblick auf eine weitere Ausgestaltung der Medical Humanities reflektiert.

Akademien der Wissenschaften Schweiz (2016) Auf der Suche nach dem Ganzen in der Medizin – der Beitrag der Philosophie. Swiss Academies Communications 11 (1).
Download (pdf, 1.8 MB)
 

 

Preisausschreibung (Call for paper) 2014

An Schweizer Fachhochschulen, Universitäten und klinischen Instituten werden viele interdisziplinär ausgerichtete Forschungsprojekte unter Einbezug von Sozial- und Geisteswissenschaftlern sowie Fachleuten aus dem Gesundheitsbereich durchgeführt, deren Ergebnisse für die medizinische Arbeit Relevanz haben. Allerdings sind diese Studien oft nur einem engen Kreis bekannt und die Resultate fliessen nur ungenügend in die medizinische und pflegerische Praxis ein. Um den Transfer dieser Forschungsresultate zu stärken, haben die Akademien im Frühjahr 2014 einen Call for paper lanciert. 

GEWINNERINNEN UND GEWINNER DES CALL FOR PAPER 2014 

1. Preis
Rose-Anna Foley (HESAV, HES-SO), Claire Ansermet (HESAV, HES-SO),
Annick Anchisi (HESAV, HES-SO), Sandro Anchisi (CHVR, Hôpital du Valais)
Angaben zu den Autorinnen und Autoren (PDF)
«Patients âgés traités par chimiothérapie: apports d'une approche interdisciplinaire» (Interdisziplinäre Ansätze in der Behandlung älterer Patienten mit Chemotherapie)
Zusammenfassung in deutsch (PDF)
Artikel, publiziert in der Schweizerischen Ärztezeitung am 21. Januar 2015 (PDF) Literatur (PDF)

2. Preis
Veronika Schoeb (HESAV, HES-SO), Anita Hartmeier (Bürgerspital Solothurn),
Sara Keel (HESAV, HES-SO)
Angaben zu den Autorinnen und Autoren (PDF)
«Transfer von Forschungsresultaten zur Austrittsplanung in drei Schweizer Rehabilitationskliniken: Reflektion als Sprungbrett für Veränderungen im Praxisalltag»
Zusammenfassung (PDF)
Artikel, publiziert in der Schweizerischen Ärztezeitung am 28. Januar 2015 (PDF)  Literatur (PDF)

3. Preis zu gleichen Teilen an:
Marion Droz Mendelzweig (Institut et Haute Ecole de la Santé La Source, HES-SO), Armin von Gunten (SUPAA, CHUV), Claire Newman (Haute Ecole de la Santé La Source, HES-SO), Florence Galland Laini (Haute Ecole de la Santé La Source, HES-SO), Krzysztof Skuza (HESAV, HES-SO)
Angaben zu den Autorinnen und Autoren (PDF)
«Annonce du diagnostic MCI (Mild Cognitive Impairment): à propos de la démarche diagnostique des troubles cognitifs chez l’âgé»
Zusammenfassung in deutsch (PDF)
Artikel, publiziert in der Schweizerischen Ärztezeitung am 4. Februar 2015 (PDF)

Ute Ziegler, Claudia Acklin / Research group design and management (Lucerne University of Applied Sciences and Arts)
Angaben zur Autorin (PDF)
«Design als Gesundheitsressource – Stressreduzierende Designinter-ventionen in einer Psychiatrischen Klinik»
Zusammenfassung in deutsch (PDF)
Artikel, publiziert in der Schweizerischen Ärztezeitung am 11. Februar 2015 (PDF)  Literatur
Weitere Bilder vom Einsatz des «Modularen Kokons» (PDF)

Call for paper 2014: Kriterien für die Einreichung von Artikeln (pdf)
 

Workshop Medical Humanities II (26. März 2013). Der Platz der Geistes- und Sozialwissenschaften in der medizinischen Ausbildung

Mit welchen Zielen soll geistes- und sozialwissenschaftliches Wissen in den medizinischen Fächern vermittelt werden? An dieser zweiten Tagung zum Thema wurden Angebote der Universitäten Lausanne, Fribourg und an den Fachhochschulen sowie der spezifische Beitrag der Rechtswissenschaften vorgestellt. In einem offenen Forum berichteten Teilnehmende über laufende, geplante oder erwünschte Projekte in Lehre und Forschung.

Programm

Präsentationen der Tagung (pdf):
Michelle Salathé, Markus Zürcher: Der Platz der Geistes- und Sozialwissenschaften in der medizinischen Ausbildung
Vincent Barras: Médecine, Individu, Communauté, Société: le programme de la Faculté de biologie et de médecine, UNIL
Cornelia Oertle: Medical Humanities an den Fachhochschulen
Dominique Sprumont: La contribution du droit dans la formation des médecins
Alexandre Wenger: Medical Humanities in Freiburg

Forum:
Patricia Dupuis: Les sciences humaines dans l'enseignement des soins infirmiers
Thomas Hüllein: Prävention als Kernstück japanischer Gesundheitspolitik
Susanne J. Jekat: Respeaking und Audiodeskription: Barrierefreier Zugang zu Informationen für Sinnbehinderte in der Schweiz
Kurt Laederach: Medical Humanities an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern
Irene Maffi: Enfanter au CHUV
Manuela Rossini: Autoimmunities – an international exploratory workshop
Manuela Rossini: handout
Juan Ruiz: La création de cours d’accompagnement thérapeutique

Publikation «Medical Humanities in der Schweiz»

Seit der Bologna-Reform kommt in der Schweiz die Integration humanwissenschaftlicher Aspekte in die Ausbildung an den medizinischen Fakultäten und den Fachhochschulen Gesundheit in Gang. Die Akademien haben dies zum Anlass genommen, eine Umfrage zum Lehrangebot in Medical Humanities an Schweizer Hochschulen durchzuführen. In der vorliegenden Publikation wird diese Bestandesaufnahme nun veröffentlicht; die Publikation enthält auch die Kurzfassung einer Übersicht über die sozialwissenschaftliche Gesundheitsforschung in der Schweiz.
Download der Publikation



 

Veranstaltungszyklus zum Themenkreis «Intimität und Intrusion»

Im Rahmen von medizinischen Tagungen fanden drei Workshops unter dem übergreifenden Thema «Intimität und Intrusion» statt, die die Möglichkeiten des interdisziplinären Diskurses beleuchteten. Grundlage des psychiatrischen Workshops bildeten vier Fallgeschichten aus der Praxis, die jeweils auch aus sozial- oder rechtswissenschaftlicher Perspektive betrachtet wurden: Wie geht man mit einer Patientin um, die sich tagelang nicht duscht? Wie kann der Therapeut verhindern, dass seine Befragungen für einen schwer traumatisierten Patienten alles noch schlimmer machen? Die klare Rollenverteilung bei diesem Workshop förderte zwar die Fokussierung auf das Tagungsthema, akzentuierte aber auch die bestehenden strukturellen und fachkulturellen Differenzen: Die Referenten aus den medizinischen Wissenschaften wurden vornehmlich als Praktiker angesprochen, die Referenten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften als Beobachter und Interpreten der Fallbespiele in grösseren Zusammenhängen.

Der zweite Workshop «Intimität und Intrusion auf der Intensivstation» thematisierte eine der Folgen der Technisierung in der Medizin: die Patienten sind oft in ihrer Kommunikations- und Handlungsfähigkeit eingeschränkt, gleichzeitig wird der «nackte» Körper jedoch intensiv beobachtet. Im dritten Workshop «Konsultation und Sexualität jenseits von Viagra und Scham» stand das Perspektiventraining im Vordergrund. Die Sexualität wird oft mit dem Intimsten gleichgesetzt und markiert deshalb einen Raum, der auch im klinischen Alltag von vielschichtigen Berührungsängsten geprägt ist.

In allen drei Workshops zeichnete sich ab, dass vielen Ärzten und Pflegenden ein naturwissenschaftlicher Referenzrahmen nicht genügt, wenn sie die Leiden ihrer Patienten interpretieren und behandeln. Ihr Verständnis von Gesundheit und Krankheit bezieht auch soziale und kulturelle Faktoren mit ein. Die Workshops wurden von der Kulturwissenschaftlerin Sibylle Obrecht begleitet und in einem Bericht aufgearbeitet.

Bericht zu den Workshops (pdf, 689.3 KB)
 
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