Die grösste Behinderung steckt in den Köpfen - Ein Interview mit Alireza Darvishy


Eine akademische Laufbahn geprägt von der Faszination für Mathematik und der Suche nach Normalität. Alireza Darvishy ist Professor für Informatik und befasst sich mit der Erforschung und Anwendung von ICT-Technologien für Menschen mit Behinderungen und für ältere Menschen. „Den Studierenden berichte ich bei der ersten Vorlesung von meiner Sehbehinderung. Sie müssten sich bei einer Frage an mich akustisch bemerkbar machen“, sagt Alireza Darvishy in einem Interview für das Schweizer Forschungsmagazin Horizonte (Ausgabe Dezember 2018). Er wünscht sich, dass sich mit einer Inklusion einen freien Zugang zum gesellschaftlichen Leben. Inklusion bedeutet, dass es keine Unterschiede zwischen Menschen mit oder ohne Behinderungen mehr gibt. Die Vielfalt bildet die Normalität. Ziel der Inklusion ist die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Wertschätzung der Vielfalt des menschlichen Seins und die gleichberechtigte Teilhabe.

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Zwischen Alpen und Nationalpark – Ein Interview mit Thomas Scheurer


Dr. Thomas Scheurer, Geschäftsführer der Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks sowie der Interakademischen Kommission Alpenforschung (ICAS) beschäftigt sich seit Jahren aktiv mit der Forschung rund um den Schweizerischen Nationalpark und die Alpen. In einem spannenden Interview legt der Experte seine Sicht zur aktuellen Lage dar und weist auf die spürbaren Veränderungen und zukünftigen Innovationen hin.

Können Sie Innovationen für die Berggebiete aufzeigen?
Zurzeit stehen sich zwei gegenläufige Prozesse gegenüber, bei welchen Innovationsprozesse gefragt sind. Auf der einen Seite sind dies die sogenannten Schrumpfungsprozesse in Gebieten, die von Abwanderung oder rückläufiger Bevölkerung betroffen sind. Daher sind heute in solchen Gebieten vor allem soziale Innovationen gegen die Abwanderung gefragt. Die Berggebiete müssen wieder kreativ werden und eine Umgebung schaffen, die Leute anzieht. Es braucht einen Gegentrend von neu zugezogenen Menschen, durch welche Innovationen entstehen können. Diese Leute nennt man auch New Highlanders. Es handelt sich dabei um Zuwanderer, die in die Berge ziehen und dort mit ihrem Know-How und ihren Netzwerken aktiv werden. Andererseits gibt es die Entwicklung der touristischen Zentren und Regionen, die meiner Meinung nach zu entgleisen droht. Heutzutage entscheiden mehrheitlich Tourismuspromotoren über die Einheimischen. An diesem Punkt braucht es ein Umdenken. Die bisher verfolgten Geschäftsmodelle werden zukünftig nicht mehr funktionieren. Es braucht nun einen Schritt zu mehr Mitbestimmung und Eigenverantwortung der Einheimischen. Tourismus ist mehr als nur Ökonomie – Gesellschaft und Kultur sind ebenso wesentlich.

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Interview mit Alexander Haumann - Erfahrungen aus seiner Forschung im Südpolarmeer

Sie haben sich in Ihrer Arbeit mit dem Meereis im Südpolarmeer beschäftigt: Im Gegensatz zu den meisten globalen Modellen zeigen Sie in Ihrer Dissertation, dass das Meereis über die letzten Jahrzehnte zugenommen hat. Welche Gründe gibt es dafür?
Wir vermuten, dass die starken Winde vom antarktischen Kontinent dafür verantwortlich sind. Man kann sich diesen Prozess wie eine Eisfabrik vorstellen: Wenn die kalten und starken Winde über den Ozean blasen, gefriert das Wasser und das Eis wird nach Norden getrieben. Südlich davon gefriert der Ozean dann wieder und so wird ständig neues Eis gebildet, das sich nach Norden ausbreitet. Diese Winde haben sich über die letzten Jahrzehnte verstärkt, was zu einer stärken Ausdehnung des Eisteppichs geführt hat. Dieser Prozess ist in vielen der globalen Modelle nicht ausreichend repräsentiert.

Können Sie das Zusammenspiel zwischen Meereisbildung, Meereistransport, Salzgehalt und Ozeanströmung kurz erklären? Das war ja ein zentrales Element Ihrer Arbeit.
Wenn sich das Eis durch das Gefrieren vom Meerwasser bildet, wird das Salz im Wasser freigesetzt, welches dann in den Ozean ausfällt und das Wasser schwerer macht. Dieses salzhaltige und kalte Wasser sinkt anschliessend in die Tiefe. An der Oberfläche bleibt das Eis, welches hauptsächlich aus Süsswasser besteht. Das gefrorene Süsswasser wird von den Winden nach Norden transportiert – ein Prozess, der den ganzen Winter über stattfindet. Der Eisteppich dehnt sich aus und schmilzt im Norden. Das geschmolzene Wasser wird dem Ozean zugefügt, wodurch sich an der Oberfläche eine Schicht aus relativ leichtem Wasser mit geringem Salzgehalt bildet. Dies führt dazu, dass weniger warmes Wasser aus der Tiefe nach oben kommt. Da Süsswasser leichter ist als Salzwasser, bleibt es an der Wasseroberfläche. Dieser Prozess hat sich über die letzten Jahrzehnte verstärkt und dazu geführt, dass sich der Oberflächenozean in dieser Region trotz globaler Erwärmung abgekühlt hat.

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Antonio Loprieno



Antonio Loprieno, geboren 1955 in Italien, aufgewachsen in Brüssel, absolvierte das Gymnasium an der Europäischen Schule in Brüssel. Er studierte Ägyptologie, Sprachwissenschaft und Semitistik an der Universität Turin, wo er 1977 mit dem Doktorat abschloss und bis 1981 als Assistent tätig war. Als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung habilitierte er sich 1984 an der Georg-August-Universität Göttingen. Ab 1984 war er Associate Professor an der Universität Perugia, bis er 1989 als Ordinarius für Ägyptologie an der University of California, Los Angeles berufen wurde, wo er bis 2000 die Abteilung für Sprachen und Kulturen des Nahen Ostens leitete. Während dieser Zeit nahm er auch Gastprofessuren an der Hebräischen Universität in Jerusalem, an der École Pratique des Hautes Études in Paris sowie an der Universität Heidelberg wahr.

Im Jahr 2000 kehrte er nach Europa zurück, als er an der Universität Basel zum Professor berufen wurde. 2006 bis 2015 amtete Loprieno als Rektor der Universität Basel und präsidierte 2008–2015 die Schweizerische Rektorenkonferenz (CRUS). Seine Forschungsgebiete, in denen er durch mehr als hundert wissenschaftliche Monographien und Aufsätze ausgewiesen ist, sind die Ägyptologie und die semitische Linguistik. Er ist Mitglied in mehreren akademischen Einrichtungen, darunter im Universitätsrat der Universität Tübingen und der Universität Zürich, sowie der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Accademia delle Scienze di Torino und des Deutschen Archäologischen Instituts.

Seit Mai 2018 präsidiert er die Akademien der Wissenschaften Schweiz. Für die Amtszeit 2018–2021 wurde er zudem zum Präsidenten der All European Academies (ALLEA) gewählt.
 

Feierliche Verabschiedung von Präsident Maurice Campagna


Prof. Maurice Campagna, passionierter Physiker und früherer Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung bei ABB, wurde 2015 als Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz gewählt. Im Laufe seines Vorsitzes hat er einiges bewegt. Er lancierte neue strategische Themen, die entscheidende gesellschaftliche Herausforderungen angehen und Synergien im Netzwerk der Akademien nutzen. Dank seiner breiten Erfahrung und seines grossen Netzwerks im akademischen, politischen und wirtschaftlichen Umfeld konnte er die fachübergreifende Zusammenarbeit der Akademien fördern und weiter stärken. Unter seiner Leitung wurden 2017 neue Statuten verabschiedet, welche den Weg für die Globalbudgetierung im Verbund der Akademien der Wissenschaften Schweiz frei machen. Er übernahm den Chair anlässlich des Balzan Forums in Bern, an welchem die Trägerinnen und Träger des Balzanpreises 2017 ihre wissenschaftlichen Arbeiten vorstellten und setzte sich stark für neue Formen der Zusammenarbeit der Balzan Stiftung, der Academia dei Lincei und der Akademien der Wissenschaften Schweiz ein. Wie kann Bildung den digitalen Wandel begünstigen und dafür sorgen, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz die neuen Chancen in Arbeit und Beruf nutzen können? Diese Frage war ihm besonders wichtig und so war dann das Highlight seiner Amtszeit das Symposium #digitale21. Es ist ihm gelungen, alle entscheidenden Akteure aus Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen und damit die wichtige Diskussion über die anstehenden Herausforderungen der Digitalisierung anzuregen. „Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist lebenslanges Lernen und barrierefreies Denken entscheidend. Wir müssen alles tun, damit in der Schweiz zwische den Disziplinen und den Generationen eine gute Zusammenarbeit und Vernetzung stattfinden kann!“ stellt er fest.

Er wurde an der #digitale21 feierlich verabschiedet und wird das Präsidium auf 1. Mai an Prof. Antonio Loprieno weitergeben.
 

Interview Maurice Campagna #Digitale21



Welche Auswirkungen hat Digitalisierung heute auf Bildung, Lehre und Arbeit? Antworten auf diese Frage werden vom 11. bis 13. April 2018 in Lugano im Rahmen eines Symposiums diskutiert. Hauptziele des Anlasses sind Empfehlungen zu erarbeiten, Kooperationen zu bilden und die für Gesellschaft sowie Wissenschaft relevanten Projekte zu entwickeln. Die Akademien der Wissenschaften laden deshalb Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Forschung und Bildung ein, um sich auszutauschen. 

Woher die ursprüngliche Motivation für die Veranstaltung kam, beantwortet Maurice Campagna, Präsident der Akademien Schweiz, im folgenden Video.

Kurzinterview Maurice Campagna


Weitere Informationen zu dem Anlass finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.digitale21.ch/news/

 

Annäherung der Forschung in Wirtschaft und Hochschulen


Dem wechselseitigen Wissenstransfer zwischen der akademischen Welt und der forschenden Wirtschaft kommt heute eine zentrale Bedeutung für die Entstehung grundlegender Innovationen zu – dies betonte Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio anlässlich der Jubiläumsfeier «50 Jahre ABB Forschung». Das ABB-Forschungszentrum gelte hierfür als Musterbeispiel, betreibt es doch seit 50 Jahren Spitzenforschung für viele innovative Technologien. Maurice Campagna, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz, hat in seiner Zeit bei der ABB deren Forschung nach den Bedürfnissen der jeweiligen Geschäftsbereiche ausgerichtet. Heute existieren mehrere Forschungszentren in der Schweiz und im Ausland, welche auch als Sprungbrett für akademische Karrieren dienen. Immer mehr gibt es einen kontinuierlichen Dialog zwischen Wirtschaft und Hochschulen.
Der Begriff der Innovation hat seinen Ursprung in den Werken des österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter. Innovationen in der Wirtschaft fasste er als neue Kombinationen von Produktionsmethoden, Absatzmärkten und Marktpositionen auf und fand damit einen festen Platz in der Welt der Ökonomen. Später integrierten Unternehmen diesen Begriff in ihren Betrieb und stellten selbst Wissenschaftler an, die dann in ihrem Auftrag Forschung und Entwicklung vorantrieben.

Ganzer Artikel (PDF) 
 
 

Women in Science

v. l. n. r.: Anne Gerhards (Präsidentin, Zonta Union Intercity), Prof. G. Margaritondo (EPFL), Preisträgerin Prof. Margarita Chli (ETHZ), Prof. M. Campagna (Präsident a+), Dr. M. Duca Widmer (Vizepräsidentin SATW), Prof. M. Rahier (UniNE), Prof. U. Suter (ETHZ)
Mit dem 30’000 Franken dotierten Prix Zonta zeichnen die Zonta Clubs der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein alle zwei Jahre Frauen aus, die auf höchstem Niveau wissenschaftlich tätig sind. Der diesjährige Preis wurde am 10. November im Hotel Bellevue in Bern an Prof. Margarita Chli vergeben. Chli ist Assistenzprofessorin im Gebiet «Vision for Robotics» an der ETH Zürich und verknüpft in ihren Forschungsarbeiten verschiedene Disziplinen wie Computer Vision, Machine Learning und Neurowissenschaft. Sie gilt in der Robotikforschung als eine der einflussreichsten Frauen der Welt, ihre Publikationen gehören zu den meistzitierten. Chli sei «ein leuchtendes Vorbild und ein Stimulus für talentierte, an Natur- und Ingenieurwissenschaften interessierte Frauen», so die Jury. Dies sei ganz im Sinne des Prix Zonta, der unter der Devise «Rasche Intuition, scharfer Verstand, klare Kommunikation» Frauen fördern und den weiblichen Nachwuchs motivieren will.

Der Prix Zonta geniesst jeweils das Patronat eines Schweizer Bundesrats, in diesem Jahr Guy Parmelin, und die fachliche Betreuung durch Jean-Marie Lehn, Nobelpreisträger 1987 für Chemie. Prof. Maurice Campagna, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz, hielt anschliessend an der Preisverleihung ein Referat zum Thema «Fachkräftemangel, Bildung und Forschung im 21. Jahrhundert». Er veranschaulichte darin die aktuellen Herausforderungen der Schweiz in der digitalen Transformation. Insbesondere ging er auf die Rolle der Schweiz im Bereich der nachhaltigen, gesellschaftlichen Entwicklung ein, also ihre Rolle für eine gerechtere Welt mit weniger Korruption. Er illustrierte die Rolle der Frauen in der Wissenschaft und Technik in einer historischen Perspektive. Dabei thematisierte er besonders die Aufgaben der ganzen Familie, der Lehrerinnen und der Schule sowie die neue Rolle der Museen. Es sei entscheidend, das wissenschaftliche und technische Interesse bereits in jungen Jahren zu wecken, sagte Campagna – dies sei im Rahmen der MINT-Projekte des Bundes auch eine Aufgabe der Akademien. «Ohne einen namhaften Beitrag der Frauen wird man demnächst die Lücken in den Bereichen Ingenieur- und Technikwesen auf allen Stufen auch bei uns – also nicht nur in den Entwicklungsländern – nicht schliessen können», sagte er. Dies gelte auch im Management ausserhalb der Kommunikation oder der Human Resources.

Weitere Informationen zum Prix Zonta


 

Science meets Art*


In Zeiten gesellschaftlicher Dekohäsion aufgrund technischer Fortschritte, die die Globalisierung begünstigen, und zunehmender Ängste wegen Arbeitsplatzverlust, sind Veranstaltungen besonders wertvoll, die den nationalen Zusammenhalt und den interkantonalen Austausch fördern. Hier stehen Kunst und Wissenschaft vor vergleichbaren Herausforderungen. Ein solches «Event» war das Vernissage der Ausstellung «Formen und Tendenzen der Pop Art in der Schweiz» in Aarau. An der Eröffnung nahmen viele Teilnehmende aus der ganzen Schweiz.

Die Pop Art gilt als eine der wichtigsten internationalen Kunstströmungen der Nachkriegszeit. Auch für die Schweizer Kunstschaffenden war sie von Bedeutung. Beeindruckt von den provokativen Bildinhalten und den neuartigen Bildtechniken schufen sie Werke, die sich an die internationalen Vorbilder anlehnen, jedoch auch eine eigene künstlerische Sprache sprechen. Dabei kristallisierte sich eine spezifische Spielart der Pop Art heraus.

Das Aargauer Kunsthaus widmet den spezifisch schweizerischen Formen und Tendenzen der Pop Art in der Deutschschweiz, im Tessin und in der Romandie eine gross angelegte Schau. Sie gibt zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über die Pop Art hierzulande und beleuchtet Schnittstellen zur Kunst im öffentlichen Raum, zum Design und zur Musik. Swiss Pop Art vereint rund 240 Gemälde, Papierarbeiten, Skulpturen, Filme und Objekte aus dem Zeitraum von 1962 bis 1972 von 50 Kunstschaffenden wie Fernando Bordoni (im Bild), Samuel Buri, Niki de Saint Phalle, Emilienne Farny, Franz Gertsch, Rosina Kuhn, Urs Lüthi, Markus Raetz oder Peter Stämpfli. Viele der Arbeiten wurden kaum je in Ausstellungen gezeigt und erlauben es dem Publikum, zahlreiche Neuentdeckungen zu machen. Daneben werden ausgewählte Installationen wie beispielsweise Peter Stämpflis M 301 (1970) eigens für die Schau rekonstruiert.

Ich empfehle den a+ Angehörigen des Verbunds der Akademien einen Besuch nach Aarau wärmstens.

Ausstellung:
Swiss Pop Art. Formen und Tendenzen der Pop Art in der Schweiz
7. Mai – 1. Oktober 2017, Aargauer Kunsthaus, Aarau
 
 

Nachhaltigkeit der grenzüberschreitenden Mobilität


Beginn der Osterferien, Start der üblichen Staumeldung am Gotthard. Wegen Lastwagenpannen im Gotthard-Strassentunnel am Palmsonntagswochenende wiederholte sich die alljährlich wiederkehrende Szenerie. Bei dieser Gelegenheit erinnert man sich daran, dass das Schweizer Volk mit der Annahme der Alpenschutzinitiave vor über 20 Jahren sich zum Ziel gesetzt hatte, Warentransporte von der Strasse auf die Bahn umzulagern. Dazu wurde für rund 24 Milliarden Franken die Neue Eisenbahn Alpentransversale (NEAT) am Lötschberg und Gotthard gebaut. Nach der feierlichen Eröffnung des NEAT-Basistunnels 2016 und der für den 13. Dezember 2020 vorgesehenen Eröffnung des fast 20 Kilometer langen Monte Ceneri-Basistunnels, bleibt das Problem des Flaschenhalses südlich von Lugano. Doch wie geht es weiter? Welche Projekte stehen an bis 2050? 

Auf diesem Zeithorizont wird die Umfahrung von Milano und die Verbindung bis zum Mittelmeer zu den grossen Umladehäfen von Genua und Vado Ligure wichtig. Die italienische Regierung mit Minister Graziano Del Rio hat die Eröffnung eines Basistunnels unter dem «Appennin–Terzo Valico» zur Ligurischen Küste für 2020 versprochen.

Für Öffentlichkeit und Politik organisieren die Städte Lugano und Genua seit 2011 alle 3 Jahre mit der Beteiligung des Schweizer Botschafters in Rom ein Symposium, abwechslungsweise in Lugano und in Genua. Am 10. April nahmen neben Botschafter Giancarlo Kessler (mitte) und Prof. Rico Maggi (rechts, im Bild mit Maurice Campagna links) nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft teil. Moderiert von den Akademien der Wissenschaften Schweiz fokussierte das diesjährige Thema auf die grenzüberschreitende, nachhaltige Mobilität und deren Bedeutung für den Wohlstand in Zeiten des beschleunigten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruches. Die hochkarätigen italienischen Gästen und Referenten aus der Schweiz haben neue Ansätze eingebracht, um bürokratische Engpässen zu überwinden. Es geht nicht nur um Umweltschutz sondern auch um die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen südlich der Linie Rotterdam–Duisburg–Transeurasische Linie. Sowohl Norditalien wie die Schweiz gehen Gefahr, von den grossen Operateuren via Meer und Bahn umfahren zu werden. Die Beschleunigung des Infrastrakturprojektes Nordschweiz–Alpen–Piemont–Lombardei–Ligurien–Mittelmeer mit einer neuen Logistik ist eine wichtige Komponente.
 

Präsidiale Klima-Diskussionen


Neuste Zahlen zu bekannten Risiken des Klimawandels an die Adresse der Weltöffenltichkeit. Dies präsentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Workshops «Climate Change and Global Risks» am diesjährigen World Economic Forum in Davos mit führenden Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Als prominentester Gast am «Arctic Base Camp» stand Al Gore, ehemaliger US Vizepräsident und Friedens-Nobelpreisträger, am Rednerpult. Er lancierte die Idee eines «globalen Marshall Plan», um das Fortbestehen unserer Zivilisation langfristig zu sichern. Gore erinnerte daran, dass die Grundlagen zur Verminderung der Risiken des Klimawandels vorhanden sind. Jetzt sei es an der Zeit, diese verbindlich umzusetzen. In Zeiten abnehmenden Forschungsmittel forderte er die Wissenschaftscommunity auf, ihre Kräfte zu bündeln. Am Workshop nahmen unter anderem Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), Botschafter Stefan Flückiger, Staatssekretär Mauro dell’Ambrogio, ETH-Ratspräsident Fritz Schiesser, Konrad Steffen, Direktor des Eidgenössischen Forschungsinstituts für Wald, Schnee und Landschaft, und Akademien-Präsident Maurice Campagna teil.
 

Neue Moleküle, detaillierte Strukturen, Aufbau von Materialien


Am 5. Dezember 2016 wurde am Paul Scherrer Institut (PSI) die zukunftsweisende Grossforschungsanlage in Betrieb genommen: der Röntgenlaser SwissFEL. Mit kurzen Pulsen von Röntgenlicht mit Lasereigenschaften können Forschende extrem schnelle Vorgänge wie die Entstehung neuer Moleküle bei chemischen Reaktionen verfolgen, die detaillierte Struktur lebenswichtiger Proteine bestimmen oder den genauen Aufbau von Materialien klären. Dabei werden die Forschenden Einblicke gewinnen, wie sie mit heute verfügbaren Methoden nicht möglich sind. An der Einweihungsfeier erklärte Prof. Joël Mesot, Direktor des PSI, persönlich die Details des SwissFEL.
 

Präsidenten unter sich


An der Verleihung der Balzan Preise 2016 in Rom haben sich die Wege von Akademien-Präsident Maurice Campagna und dem italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella gekreuzt. Auf höchster internationaler Ebene konnten die Anliegen der Wissenschaftsgemeinschaft in politische Entscheidgremien eingebracht werden. Die nationalen Akademien müssten sich mit vereinten Kräften diese Herausforderung zum Wohle der ganzen Gesellschaft annehmen. Mattarella habe empfohlen, die Kontakte mit dem Ministero degli Esteri auf Arbeitsebene zu pflegen, berichtet Maurice Campagna aus Rom.
 
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