blank blank blank blank  
Akademien der Wissenschaften Schweiz  
blank
home | sitemap | disclaimer | suchen:
blank  

 

Open Access – ein neues Zeitalter für Publikationen

(bk) Anlässlich ihrer Frühjahrestagung vom 1. März beschäftigte sich die SAGW mit Fragen rund um Open Access. Das Publizieren von Forschungsergebnissen im Internet soll zu einer Selbstverständlichkeit werden. Da es sich um Forschungsaufwand handelt, sollen Forschungsförderungsorganisationen die Kosten übernehmen. Bedenken zu Open Access äussern die Verlage. Sie sorgen sich um die Qualität der Texte.

 

Freier Zugang zu Publikationen über das Internet, diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Aber die Umsetzung wirft viele Fragen auf: Wer bezahlt? Wer hat welche Rechte? Wie steht es um die Qualität? Am 1. März fand die Frühjahrestagung der SAGW zum Thema «Open Access – Vom Prinzip zur Umsetzung» statt. Namhafte Experten und Expertinnen aus dem In- und Ausland äusserten sich zum Stand der Entwicklungen und zu den kommenden Herausforderungen. Zusammen mit den rund 130 Tagungsteilnehmenden diskutierten sie Chancen und Gefahren rund um Open Access.

 

 

Geistes- und Sozialwissenschaften müssen sich aktiv an der Diskussion beteiligen

 

Medizin und Naturwissenschaften haben mit Open Access Publikationen bereits eine lange Erfahrung. In diesen Disziplinen ist es besonders wichtig, schnell zu publizieren und häufig zitiert zu werden, zwei Vorteile, die durch Open Access erzielt werden, wie Alexander Borbély, emeritierter Pharmakologie-Professor an der Universität Zürich, erläuterte. Matthias Töwe vom Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken konterte mit der Frage, ob die Geistes- und Sozialwissenschaften den wirklich dasselbe Ziel verfolgen wie die Medizin und die Naturwissenschaften. Zudem wies er darauf hin, dass es fast dreimal so viele Datenbanken für die Geistes- und Sozialwissenschaften gebe wie für die Naturwissenschaften. Andererseits ist bei den Naturwissenschaften die Abgabe einer elektronischen Form der Dissertation oft obligatorisch, während der Selbstarchivierungsgrad bei den Geistes- und Sozialwissenschaften gering ist. «Wichtig ist, dass sich die Geistes- und Sozialwissenschaften aktiv in die Diskussion um Open Access einschalten und das Feld nicht den Naturwissenschaften überlassen», so Töwe.

 

 

Open Access ist nicht Free Access

«Open Access ist nicht Free Access», betonte der Jurist Michel Jaccard. Die rechtliche Situation ist bei Open Access nicht immer einfach. Sämtliche Autorenrechte dem Verlag zu überlassen, ist für die meisten Autoren seit jeher eine Selbstverständlichkeit. Um seine Artikel online zu publizieren, muss sich der Autor aber dieses Recht vorbehalten. Oder er überträgt dem Verlag lediglich eine Lizenz. Zu seinem Schutz kann der Autor einen Vertrag unter Creative Commens abschliessen, welche dem Nutzer – illustriert mit Icons – verschiedene Rechte zugesteht, beispielsweise das Recht zur Veränderung oder zur kommerziellen Nutzung des Textes. Allerdings ist auch das kein Weg ohne Hindernisse: Wer sich bereits bei einer Verwertungsgesellschaft (SUISA, ProLitteris) eingetragen hat, kann nicht mehr ohne weiteres einen Vertrag unter Creative Commons abschliessen. (http://www.creativecommons.ch)

Etwas lockerer sieht der Niederländer Bas Savenije von der Universitätsbibliothek Utrecht die Situation. «Wir fragen die Autoren», meint Savenije, «wenn die sagen, eine elektronische Publikation sei in Ordnung, dann glauben wir das.» Inzwischen ist die Universitätsbibliothek Utrecht eine der grössten Open Access Bibliotheken weltweit.

 

 

Repositories bringen Verleger dazu, über die Zukunft nachzudenken

Mit der Frage, ob Verlage noch den optimalen Zugang zu Forschungsresultaten fördern oder ihn nicht eher mit ihrem Abonnementssystem behindern, befasste sich Yola de Lusenet von der European Commission on Preservation and Access. Teure Zeitschriftenabonnemente binden einen grossen Teil des Bibliotheksbudgets und es bleibt nur wenig übrig für kleinere Herausgeber. Sie erinnerte daran, dass es die Forschenden in der Hand haben, ihr Publikationssystem selbst zu organisieren: Bereits heute verfassen sie Texte, sorgen sie im Peer-Review-System für deren Begutachtung und Qualitätssicherung und leisten sie in den entsprechenden Organen Editions- und Redaktionsarbeit. Es fragt sich daher, ob für die Diffusion angesichts der Möglichkeiten des Internets Verlage noch notwendig sind.

Auch in der Schweiz gibt es bereits bedeutende Repositories. Miguel Moreira stellt das Netwerk der Westschweizer Bibliotheken, RERO DOC vor. Der Zürcher Dokumenten- und Publikationsserver ZORA wurde von Ingeborg Zimmermann und Roberto Mazzoni vorgestellt.

«Weshalb braucht es denn überhaupt Repositories und welche Art von Texten soll dort gespeichert werden?», kam die Frage aus dem Publikum. «Im Moment bringt es nichts über Prinzipien zu diskutieren, sondern es geht darum, möglichst viele Dokumente zu veröffentlichen», konterte Savenije, und «Repositories bringen Verleger dazu, über die Zukunft nachzudenken».

Die anwesenden Verlagsvertreter wendeten ein, dass es mit Open Access kein Lektorat und keine Werbung für die Publikationen mehr gibt. Erstaunt gab sich de Lusenet: «Wozu gibt es denn noch so viel Lektoratsarbeit in der Schweiz, wo die meisten Autoren es sowieso nicht schätzen, wenn ihr Text verändert wird?»

 

 

Bezahlen sollen die Forschungsförderungsinstitutionen

Nebst der Qualität der Open Access Texte stand auch die Frage im Vordergrund, wer für die Publikation bezahlen soll. Publikationen sind Teil der Forschung, deshalb sollen die Forschungsförderungsinstitutionen bezahlen. Und auch Bibliotheken sollen mitfinanzieren, weil auf der anderen Seite die Abonnementskosten entfallen. «Kosten zu sparen, ist nicht das primäre Ziel von Open Access», betonte Dieter Imboden, Präsident des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

 

 

Ausblick

Wie es in der Schweiz weitergehen wird, ist noch nicht ganz klar. Der SNF wird selber kein Repository eröffnen, legt aber seinen Kunden nahe, ihre Publikation auch elektronisch zu veröffentlichen. Die Hochschul- und Rektorenkonferenz (CRUS) wird gemäss Vizepräsident Urs Würgler zwar die Einführung von Beratungsstellen zu Open Access in den Universitäten unterstützen, aber nicht die Initiative ergreifen. Die SAGW ihrerseits ist bekanntlich über ihre Mitgliedgesellschaften Träger von 42 wissenschaftlichen Zeitschriften. Sie wird die Frage einer Umstellung der Zeitschriften auf Open Access an der Jahresversammlung vom Juni 2007 eingehend mit den Verantwortlichen diskutieren. Abklärungen zu den Auswirkungen insbesondere auf die Finanzierung sind im Gange. Gerade die von der SAGW geförderten Zeitschriften erfüllen nahezu alle Voraussetzungen um die von Frau de Lusenet beschriebene Variante umzusetzen.

Sämtliche Beiträge der Tagung sind elektronisch auf der Website der SAGW (www.sagw.ch) veröffentlicht.

Links zu Open Access:

Verzeichnis der OA-Journals: http://www.doaj.org

Bibliothek der Universität Utrecht: http://www.igitur.nl

Westschweizer Bibliotheksverbund: http://doc.rero.ch

ZORA (Zurich Open Repository and Archive)  http://www.zora.uzh.ch

Open Source Software  http://www.openrepository.com

                                   http://www.eprints.org

                                   http://cilea.it

Open Access Informationsplattform: http://www.openaccess-germany.de

Die Präsentationen der Tagung befinden sich auf der SAGW-Website: http://www.sagw.ch